ministories

Zurück

Am Ende des Tunnels

 

 

Es ist mal wieder einer dieser endlos langen Zugfahrten. Die Abteile sind überfüllt, die Luft ist stickig und ich habe mal wieder keinen Platz bekommen. Alte Menschen müssen stehen, weil die jüngeren ihren Platz nicht für sie freimachen. Der Egoismus ist heutzutage sehr verbreitet in der Welt. Viele denken nur an sich und nicht an andere die es schlechter haben oder an Menschen die ihnen sogar nahe stehen. Ich bin jetzt 38 Jahre alt und wenn ich früher nicht den Platz für eine ältere Person geräumt habe, hat meine Mutter mich an den Ohren von dem Platz gezogen. Früher war alles besser. So was hört man auch all zu oft. Alle beschweren sich, aber keiner sieht die positiven Dinge am Leben. Zum Beispiel das man sich Autos leisten kann, das man ein Dach über den Kopf hat und genug zum Essen. Früher mag vieles anders gewesen sein, aber ist das Früher wirklich besser als das Heute? Ich denke das muss jeder selber entscheiden. Auf jedenfall erst einmal zurück zur Zugfahrt. Ich stehe hier also an meiner Stange und halte mich fest. Hinter mir ein alter Mann mit Stock und Hund. Ich hoffe dass der Mistköter mir nichts an  Bein pinkelt, denn ich bin im Moment nicht in der Stimmung für so was. Neben mir stehen zwei Punks die über Demos gegen Nazis diskutieren und sich mit Schimpfwörtern zu bombardieren. Mich wundert es, was für Ausdrücke die Jugendlichen heute alle verwenden. Sie erfinden ihre eigene Sprache, damit sie der Erwachsenen Welt entfliehen können. Das klappt auch sehr gut, denn ich habe keine Ahnung wovon die hier eigentlich reden. Und zu guter letzt, steht ein bärtiger Mann vor mir. Seine Kleidung ist zerfetzt und er stinkt nach Schnaps und Schweiß. Ich versuche möglichst meine Nase nicht in seine Richtung zu halten, sonst kommt mir mein Frühstück wieder hoch. Da steh ich nun also dicht bedrängt zwischen den Menschen. Ich schaue auf meine Uhr und sehe dass es schon 10 Uhr ist, also nur noch 2 Stunden fahrt. Was heißt nur? 2 Stunden sind eine Ewigkeit für einen der in einem Zug steht und kaum Platz zum atmen hat. Ich schaue umher und sehe eine Frau mit Kind. Die Frau scheint so um die 20 Jahre alt zu sein und ihr Kind so um die 5. Also eine junge Mutter. An ihren Händen sehe ich keinen Ehering und ihre Kleidung sieht auch nicht mehr so neu aus. Ich schätze mal sie ist allein erziehende Mutter. Sie scheint ihr Kind dafür aber gut im Griff zu haben, denn es ist ganz still und quengelt nicht andauernd rum oder fragt wann sie endlich da sein werden. Ein schöner Anblick. Auf jedenfall ein besserer Anblick als der Rest im Zug. Alle Generationen sind im Zug und alle Sorten von Menschen. Reiche und arme, dünne und dicke, große und kleine und alte und junge Menschen. Als mein Blick weiter Richtung bärtigen Mann wandert, sehe ich über dessen Schulter eine junge Frau sitzen. Sie ist recht groß, hat blondes langes Haar und eine tolle Figur. Ich fange an zu fantasieren und mache mir Bilder im Kopf, was ich tun würde, wenn ich und diese Frau alleine im Zug wären. Lange gehen meine Fantasien aber nicht, denn der bärtige Mann dreht sich um und ich bekomme wieder diesen ekeligen Gestank von Schnaps und Schweiß in die Nase. Ich senke meinen Kopf und suche etwas bessere Luft. Das ist in dem Abteil aber sehr schwer. Es ist wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Meine Blicke wandern in Richtung der Punks. Einer der Beiden spielt mit der Hand an einem Messer. Er lässt es aber auch gleich wieder in seine Tasche gleiten. Jetzt wandern meine Blicke in Richtung Decke. Mit den Blicken oben angekommen, verschließe ich blitzartig meine Augen, weil die Licht total grell sind, da wir gerade durch einen Tunnel fahren. Ganz plötzlich geht das Licht aus. Ich bekomme etwas Angst, denn man weiß nie was passieren kann. Es gibt viele undurchschaubarer Gestalten hier und der eine Punk neben mir hat auch noch eins Messer. Man kann hier auch wirklich rein gar nichts sehen, weil es so finster ist. Plötzlich höre ich ein lautes aufschreien. Dann ist schlagartig wieder alles ruhig. Ich merke jemanden an mir vorbei gehen, doch ich reagiere nicht. Dann kommen wir an das Ende von Tunnel und ich sehe einen toten Mann vor meinen Füßen liegen. Ich kippe um und mir wird schwarz vor Augen. Als ich meine Augen wieder öffne, bin ich plötzlich wieder am Bahnhof auf einer Bank. Puh Glück gehabt, es war alles nur ein Traum.



Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!